„Umbau statt Rückbau!“

Die Wärmewende gelingt nicht mit einer Einheitslösung. Werner Brommko von Pfalzgas erklärt, warum der Umbau der bestehenden Infrastruktur, Biomethan und Wasserstoff für viele Regionen ein realistischer und bezahlbarer Weg in eine klimaneutrale Zukunft sind.

Über bestehende Erdgasleitung können künftig erneuerbare Gase transportiert werden.

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Herr Brommko, was bedeutet das GModG aus Sicht eines regionalen Versorgers ganz konkret für Ihre Kundinnen und Kunden – vor allem mit Blick auf Wahlfreiheit und Planbarkeit?

Ich denke, das neue Gesetz ist in jedem Fall technologieoffener, flexibler und praxistauglicher als das bisherige GEG bzw. Heizungsgesetz. Dadurch sind auch unsere Kunden wieder freier und flexibler in ihrer individuellen Entscheidung. Eigentümer, die ihre Heizung austauschen müssen oder wollen, können also wieder selbst entscheiden, welche Heizung es werden soll. Damit kann hoffentlich die Verunsicherung der Haushalte aufgelöst werden, die zu einem Einbruch des Heizungsmarktes geführt hatte. Wenn jetzt wieder mehr Heizungen erneuert werden, dann könnte in jedem Fall auch schon allein durch die effizientere Technologie einer neuen Heizung wieder mehr und schneller und mehr CO2 eingespart werden. Die steigende Grüngasquote kann dannnoch einen zusätzlichen Beitrag leisten.

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Welche Rolle spielt Biomethan heute schon in Ihrem Portfolio, und wie würde eine ambitionierte Grüngasquote Ihre Beschaffung und Netzplanung verändern?

Pfalzgas hat schon frühzeitig Biogastarife umgesetzt, damit die bisherigen Anforderungen des alten Heizungsgesetzes erfüllt werden konnten. Außerdem betreiben wir vier CNG-Tankstellen, an denen wir Bio-CNG anbieten. Insofern ist Biomethan schon jetzt ein wichtiger Baustein in unserem Portfolio. Ferner arbeiten wir bereits intensiv an der Transformation unseres Erdgasnetzes hin zu einem Verteilnetz für grüne Gase und für Wasserstoff. Da unser Netzgebiet im Kreuzungsbereich des Wasserstoffkernnetzes liegt, prüfen wir in diesem Zusammenhang zum einen, für welche Abschnitte unseres Netzes sich Anschlussmöglichkeiten an dieses Kernnetz eröffnen. Zum anderen ermöglicht eine ambitionierte Grüngasquote nun zusätzlich die Möglichkeit, die Teile der vorhandenen Infrastruktur, die für Wasserstoff eher weniger geeignet sind, gegebenenfalls alleine über einen Hochlauf der Grüngasquote ohne Umstellung weiter zu nutzen. Dies ist gerade in unserem ländlich geprägten, zergliederten Versorgungsgebiet sehr wichtig. Denn hier gibt es häufig keine wirtschaftlich vertretbaren Perspektiven für alternative Wärmeversorgungen.

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Viele Menschen fürchten steigende Heizkosten: Welche Erfahrungen machen Sie in Ihrem Netzgebiet, und wie kann ein sinnvoller Mix aus Wärmepumpe, Effizienz und grünen Gasen Kosten dämpfen?

Die Sorgen vor steigenden Heizkosten treiben selbstverständlich auch unsere Kunden um. Die Berichterstattung zum alten Heizungsgesetz unter dem Schlagwort „Heizungshammer“ und auch die Kritik am neuen GModG, vielfach unter dem Tenor „Kostenfalle Gasheizung durch Grüngasquote und Biotreppe“ haben hier leider ihr gehöriges Scherflein beigetragen. Hierzu muss man aber erst mal festhalten, dass etwaige Mehrkosten der Grüngasquote auf alle Erdgastarife umgelegt werden und daher in den ersten Jahren schon mal zu gar keinen relevanten Preissteigerungen führen werden. Längerfristig geht es dann darum, dass die Kosten im Wärmemarkt insgesamt wettbewerbsfähig bleiben, aber auch hier bin ich sehr zuversichtlich. Und auch mit der Biogastreppe, von der im Übrigen Bestandskunden ja gar nicht betroffen sind, ergeben sich nur moderate Kosten. So ergeben sich z.B. auf Basis unserer aktuellen Biogas-Tarife mit einem 10prozentigem Biogasanteil bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 18.000 kWh Mehrkosten von gerade mal 4,20 € im Monat. Diese sollen dann aber über m.E. unnötig bürokratische Regelungen noch zwischen Vermieter und Mieteraufgeteilt werden. Bei allem Verständnis für die Sorgen einer sozial ungerechten Belastung, stellt sich mir dann doch die Frage, wo denn jetzt der Unterschied ist, ob Mieter höhere Energiekosten durch eine Biotreppe zahlen oder alternativ durch höhere Mieten belastet werden, weil der Eigentümer den Einbau einer Wärmepumpe und die Gebäudesanierung über Modernisierungsmieterhöhungen umlegt oder gar bei fehlender Sanierung das Risiko höherer Betriebskosten weiterreicht.

Man muss sich aber auch klarmachen, dass die Energiewende eines der größten Transformationsprojekte der deutschen Wirtschaftsgeschichte ist. Zur Erreichung der Klimaziele brauchen wir insofern alle verfügbaren Technologien: Geothermie, Fernwärme, Wärmepumpen, Solar- und Windenergie aber eben auch grüne Gase, wie Biogas und Wasserstoff. Egal welche Lösung im Einzelfall zum Einsatz kommt, und auch das sollte man m.E. klar kommunizieren: das Heizen für die Haushalte bzw. Kunden wird vor dem Hintergrund der Herausforderungen perspektivisch teurer als in derVergangenheit. Umso wichtiger ist es, den CO₂-Fußabdruck des gesamten Gebäudes in den Mittelpunkt zustellen. Insofern haben wir als Pfalzgas, bzw. unsere Energieberater schon immer darauf hingewiesen, dass es keine allgemeingültige Musterlösung gibt, sondern dazu geraten, jedes Gebäude individuell zu betrachten. Wer sich z.B. hohe Investitionen in eine Gebäudesanierung absehbar nicht leisten kann, den kann man aber insoweit beruhigen, dass es heute schon genügend intelligente und bezahlbare Heizungslösungen gibt, mit denen man sich alle Optionen für die Zukunft offenhalten kann.

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Wie sehen Sie die Zukunft der Gasverteilnetze in Ihrer Region – eher Umbau Richtung neue Gase oder eher geordneter Rückbau an manchen Stellen?

Im Rahmen der Erarbeitung eines detaillierten Konzepts zur mittel- und langfristigen Zukunftsfähigkeit der Pfalzgas GmbH haben wir im Hinblick auf die bundesweit angestrebte Treibhausgasneutralität bis zum Jahre 2045 (bzw. 2040 in RLP) die aktuellen und zukünftigen Wärmebedarfe für unser komplettes Netzgebiet analysiert sowie Potentiale für Erneuerbaren Energien erhoben. In Verbindung mit Annahmen zur zukünftigen Energiepreisentwicklung und Kostenentwicklung unterschiedlicher Umwandlungstechnologien wurde anschließend eine Energiesystemanalyse durchgeführt, um ein Bild einer zukünftigen treibhausgasneutralen Versorgung zu skizzieren. Auf Basis dieser Datengrundlage, deren Erhebung systematisch weitgehend analog zu den Prozessen einer kommunalen Wärmeplanung erfolgt ist, haben wir unterschiedliche, quantifizierbare Szenarien modelliert. Einen flächendeckend bzw. großflächig möglichen Wärmenetzausbau haben wir in den von uns versorgten Ortsnetzen aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit hierbei nicht gesehen, sondern allenfalls Potentiale für kleinere Objektwärmenetze. Für die verbleibende dezentrale Wärmeversorgung wird daher perspektivisch insbesondere die Wärmepumpentechnologie von Bedeutung sein. Ein hoher Anteil unsanierter Gebäude im Netzgebiet der Pfalzgas mit entsprechend hohem Energieverbrauch deutet jedoch darauf hin, dass eine rein elektrische Wärmeversorgung mittels Wärmepumpen an ihre technischen und wirtschaftlichen Grenzen stoßen könnte. Wir gehen aber dennoch davon aus, dass grundsätzlich ein sukzessiver ansteigender Austausch von Gasheizungen durch Wärmepumpen erfolgen wird. Das Potenzial hierfür wird allerdings unter anderem über die regional verfügbaren Installationskapazitäten begrenzt. Selbst bei einer Verdoppelung des aktuellen bundesweiten Wärmepumpen-Zubaus ergibt sich rechnerisch für das Netzgebiet der Pfalzgas, dass noch mindestens 40-60 % der derzeit angeschlossenen Kunden in 2045 von uns zu versorgen sind. Der Weiterbetrieb eines Gasnetzes, in dem grünes Methan oder Wasserstoff durchgeleitet wird, wird daher nicht nur eine sinnvolle, sondern eine absolut notwendige Alternative darstellen. Wir werden unsere Gasnetze daher so lange weiter betreiben wie diese versorgungstechnisch noch benötigt werden. Insofern lautet unsere Antwort ganz klar: Umbau statt Rückbau!

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Was wünschen Sie sich von der Bundespolitik, damit Stadtwerke und Regionalversorger den Übergang zu Biomethan und Wasserstoff zügig, aber bezahlbar gestalten können?

Hier wünschen wir uns vor allem langfristige Rechts-und  Planungssicherheit und einen überfälligen Bürokratie-Abbau, insbesondere hinsichtlich Biomethan-Einspeisung. Die Bundespolitik sollte zudem sicherstellen, dass die lokalen Wärmepläne der Kommunen Technologieoffenheit garantieren. Gasnetze müssen hier als wichtige Infrastruktur für grüne Gase rechtssicher verankert bleiben. In punkto Wasserstoff liegt der Fokus der Politik ferner oft noch zu stark nur auf dem Kernnetz. Hier brauchen aber auch wir als Verteilnetzbetreiber sehr zeitnah eine klare regulatorische Perspektive für die Beimischung und reine Umstellung auf Wasserstoff. Außerdem sollte die Bundespolitik die Mengenverfügbarkeit sichern und zum einen dafür sorgen, dass nationale Biomethan-Potenziale gehoben werden können aber zum anderen daneben auch internationale Biomethan- und Wasserstoff-Importpartnerschaften beschleunigen, um wettbewerbsfähige Beschaffungspreise zu ermöglichen. Zu guter Letzt sollte die Bundespolitik sich darum kümmern, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland im internationalen Vergleich nicht zusätzlich unnötig benachteiligt wird und zumindest EU-weit in der Energiepolitik überall die gleichen Maßstäbe angelegt werden.

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„Die Bundespolitik sollte zudem sicherstellen, dass die lokalen Wärmepläne der Kommunen Technologieoffenheit garantieren.“

„Die Energiewende ist eines der größten Transformationsprojekte der deutschen Wirtschaftsgeschichte.“

Werner Brommko, Pfalzgas

Biomethan-Erzeugungsanlage, mit der die Transformation der Netze vorangetrieben werden kann.

Veröffentlicht: Juli 2026

Fotos: Jost Listemann/DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT

Interview: g – Das Gasmagazin

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